Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften
Das Argument – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften wurde 1959 als unabhängige Wissenschaftszeitschrift einer marxistisch orientierten westdeutschen Linken gegründet. Die Zeitschrift erscheint im Argument Verlag mittlerweile in zwei Heften pro Jahr. Seit 2005 wird die Zeitschrift im Auftrag des Berliner Instituts für kritische Theorie herausgegeben.
Im Doppelheft 263, Großer Widerspruch China (2005, 2. Auflage 2008) war zum ersten Mal eine »Redaktion dieses Heftes« namentlich aufgeführt. Darin drückte sich die Reorganisation dieser Zeitschrift aus, die wir am »Argument-Tag« im Rahmen der InkriT-Jahrestagung (2006) berieten und deren wesentliche Neuerungen wir in Heft 264 unter dem Titel »Argument-Neugründung« erläuterten. Im selben Heft trat auch zum ersten Mal der neugegründete »Wissenschaftliche Beirat« in Erscheinung. Dessen Mitglieder hatten sich u. a. verpflichtet, dem Argument mindestens eine Rezension pro Jahrgang »zu schenken«. Nicht alle haben ihr Versprechen gehalten, doch im Ganzen hat sich diese Einrichtung ebenso bewährt wie die der »Argument-Tage« des InkriT und der »Projektredaktionen« für jedes Heft.
Frigga Haug, geborene Langenberger, erlebte die Zeit des Nationalsozialismus und das Kriegsende als Kind im Ruhrgebiet. Ihre Eltern waren beide Mitglied im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Ihre Mutter (Jahrgang 1911) studierte Volkswirtschaft und war eine der wenigen Studentinnen in dieser Zeit. Mit ihrem Vornamen Frigga, angelehnt an die germanische Göttin, haderte Haug nach eigener Aussage in der Phase ihrer Politisierung, deutet er doch auf die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Familie hin.[1] Besonders die Erlebnisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundene Armut wie auch der Tod ihres Vaters, der vor Stalingrad fiel, haben sie geprägt. Ab 1948 besuchte sie das Mülheimer Mädchengymnasium Luisenschule und nahm nach dem Abitur 1957 ein Studium in West-Berlin auf.

Wolfgang Fritz Haug (* 23. März 1936 in Esslingen am Neckar) ist ein deutscher marxistischer Philosoph und Verleger.
Wolfgang Fritz Haug besuchte das Georgii-Gymnasium Esslingen und studierte von 1955 bis 1963 Philosophie, Romanistik und Religionswissenschaft in Tübingen, Montpellier, Berlin und Perugia. 1966 promovierte er an der Freien Universität Berlin, der Titel der Dissertation lautete Jean-Paul Sartre und die Konstruktion des Absurden. 1972 folgte die Habilitation.
Von 1979 bis 2001 war Haug Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt ist der Marxismus.

Peter Jehle
Ingo Pohn-Lauggas
Jan Loheit
Ruth May
Christof Ohm
Michael Rahlwes
Jan Rehmann
Bernd Röttger
Felix Werfel
Thomas Weber
Imperialismen nach außen, Faschisierung im Innern?
Rekonfiguration des kapitalistischen Weltsystems
Wenn sich eine Gesellschaft berechtigterweise als faschistisch einstufen lässt, ist ihre wichtigste Phase des antifaschistischen Kampfs bereits gescheitert. Weil die Eule der Minerva den Begriff erst in der abgeschlossenen Gestalt seiner historischen Realisiertheit zu identifizieren vermag, kommt sie notwendig zu spät für Gegenwehr. Die Politik des Antifaschismus bedarf insofern, um verhindernd eingreifen zu können, des Begriffs der Faschisierung. Dieser fasst eine Tendenz, in der noch-nicht-faschistische Gesellschaften (auch durch nichtfaschistische Akteure) die notwendigen Bedingungen des Faschismus – aus sich selbst heraus – erzeugen. Praxisphilosophisch ist die Rückkehr des Begriffs in den Debatten der Linken insofern zu begrüßen: Dem antifaschistischen Kampf ist er notwendig zum Begreifen der eigenen Lage wie zum Wenden ihrer Not. Als gegenhegemoniale Zeitschrift bleibt es jedoch unser Auftrag, den Fokus auf die blinden Flecken und toten Winkel zu legen, die die Diskussionen besonders in Deutschland strukturieren. Während sozialpsychologische Erklärungen (wie nicht zuletzt die Rezensionsaufsätze im vorliegenden Heft belegen) einmal mehr en vogue sind, wird der Kontext der Faschisierung in der weltsystemischen Konstellation gewöhnlich unterschlagen. Wir wollen die Aufmerksamkeit darum auf das Zusammenwirken von Mikroskopischem und Makroskopischem richten und betonen, dass die Destruktivität der psychischen Innenleben nur gemeinsam mit ihrem Pendant im Äußersten – unter Einbeziehung militaristischer Außenpolitik und imperialistischer Geoökonomie – begreifbar wird.

341
Das andere Erinnern
340
Ukraine-Krieg – Weltordnungskrieg
→ InkriT
→ Crowdfunding
ARGUMENT VERLAG GMBH | GLASHÜTTENSTRASSE 28 | 20357 HAMBURG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ | WIDERRUFSBELEHRUNG | BESTELLVORGANG | ZAHLUNGSWEISEN | VERSAND & LIEFERUNG
Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften
Das Argument – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften wurde 1959 als unabhängige Wissenschaftszeitschrift einer marxistisch orientierten westdeutschen Linken gegründet. Die Zeitschrift erscheint im Argument Verlag mittlerweile in zwei Heften pro Jahr. Seit 2005 wird die Zeitschrift im Auftrag des Berliner Instituts für kritische Theorie herausgegeben.
Im Doppelheft 263, Großer Widerspruch China (2005, 2. Auflage 2008) war zum ersten Mal eine »Redaktion dieses Heftes« namentlich aufgeführt. Darin drückte sich die Reorganisation dieser Zeitschrift aus, die wir am »Argument-Tag« im Rahmen der InkriT-Jahrestagung (2006) berieten und deren wesentliche Neuerungen wir in Heft 264 unter dem Titel »Argument-Neugründung« erläuterten. Im selben Heft trat auch zum ersten Mal der neugegründete »Wissenschaftliche Beirat« in Erscheinung. Dessen Mitglieder hatten sich u. a. verpflichtet, dem Argument mindestens eine Rezension pro Jahrgang »zu schenken«. Nicht alle haben ihr Versprechen gehalten, doch im Ganzen hat sich diese Einrichtung ebenso bewährt wie die der »Argument-Tage« des InkriT und der »Projektredaktionen« für jedes Heft.

Frigga Haug, geborene Langenberger, erlebte die Zeit des Nationalsozialismus und das Kriegsende als Kind im Ruhrgebiet. Ihre Eltern waren beide Mitglied im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund. Ihre Mutter (Jahrgang 1911) studierte Volkswirtschaft und war eine der wenigen Studentinnen in dieser Zeit. Mit ihrem Vornamen Frigga, angelehnt an die germanische Göttin, haderte Haug nach eigener Aussage in der Phase ihrer Politisierung, deutet er doch auf die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Familie hin.[1] Besonders die Erlebnisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundene Armut wie auch der Tod ihres Vaters, der vor Stalingrad fiel, haben sie geprägt. Ab 1948 besuchte sie das Mülheimer Mädchengymnasium Luisenschule und nahm nach dem Abitur 1957 ein Studium in West-Berlin auf.

Wolfgang Fritz Haug (* 23. März 1936 in Esslingen am Neckar) ist ein deutscher marxistischer Philosoph und Verleger.
Wolfgang Fritz Haug besuchte das Georgii-Gymnasium Esslingen und studierte von 1955 bis 1963 Philosophie, Romanistik und Religionswissenschaft in Tübingen, Montpellier, Berlin und Perugia. 1966 promovierte er an der Freien Universität Berlin, der Titel der Dissertation lautete Jean-Paul Sartre und die Konstruktion des Absurden. 1972 folgte die Habilitation.
Von 1979 bis 2001 war Haug Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt ist der Marxismus.
Peter Jehle
Ingo Pohn-Lauggas
Jan Loheit
Ruth May
Christof Ohm
Michael Rahlwes
Jan Rehmann
Bernd Röttger
Felix Werfel
Thomas Weber
Imperialismen nach außen, Faschisierung im Innern?
Rekonfiguration des kapitalistischen Weltsystems
Wenn sich eine Gesellschaft berechtigterweise als faschistisch einstufen lässt, ist ihre wichtigste Phase des antifaschistischen Kampfs bereits gescheitert. Weil die Eule der Minerva den Begriff erst in der abgeschlossenen Gestalt seiner historischen Realisiertheit zu identifizieren vermag, kommt sie notwendig zu spät für Gegenwehr. Die Politik des Antifaschismus bedarf insofern, um verhindernd eingreifen zu können, des Begriffs der Faschisierung. Dieser fasst eine Tendenz, in der noch-nicht-faschistische Gesellschaften (auch durch nichtfaschistische Akteure) die notwendigen Bedingungen des Faschismus – aus sich selbst heraus – erzeugen. Praxisphilosophisch ist die Rückkehr des Begriffs in den Debatten der Linken insofern zu begrüßen: Dem antifaschistischen Kampf ist er notwendig zum Begreifen der eigenen Lage wie zum Wenden ihrer Not. Als gegenhegemoniale Zeitschrift bleibt es jedoch unser Auftrag, den Fokus auf die blinden Flecken und toten Winkel zu legen, die die Diskussionen besonders in Deutschland strukturieren. Während sozialpsychologische Erklärungen (wie nicht zuletzt die Rezensionsaufsätze im vorliegenden Heft belegen) einmal mehr en vogue sind, wird der Kontext der Faschisierung in der weltsystemischen Konstellation gewöhnlich unterschlagen. Wir wollen die Aufmerksamkeit darum auf das Zusammenwirken von Mikroskopischem und Makroskopischem richten und betonen, dass die Destruktivität der psychischen Innenleben nur gemeinsam mit ihrem Pendant im Äußersten – unter Einbeziehung militaristischer Außenpolitik und imperialistischer Geoökonomie – begreifbar wird.

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Das andere Erinnern
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